Die digitale Welt von heute wird von wenigen Tech-Giganten dominiert. Sie bestimmen, wie wir kommunizieren, welche Informationen wir sehen und wer Zugriff auf unsere Daten erhält. Diese Konzentration von Macht birgt Risiken für Demokratie, Datenschutz und digitale Selbstbestimmung.
Mit unserem Projekt Dezentralisierung als Wert und Praxis untersuchen wir, wie dezentrale Ansätze unsere digitale Zukunft demokratischer und selbstbestimmter gestalten können. Dafür erhalten wir bis Ende 2026 eine Förderung der JUST Open Source Stiftung.
Dezentralisierung als Gestaltungsprinzip

Wir verstehen Dezentralisierung als Gestaltungsprinzip, um Machtverhältnisse im digitalen Raum zu verändern. Dezentralisierung ist kein Selbstzweck. Im Projekt untersuchen wir daher die Bedingungen für erfolgreiche Umsetzung dezentraler Ansätze, wie verbindliche Standards, offene Schnittstellen, Open Source und transparente Governance mit echter Beteiligung.
Dabei verfolgen wir einen technikoffenen Ansatz: Im Fokus stehen nicht einzelne Technologien, sondern ihre praktische Anwendbarkeit und gesellschaftliche Wirkung. Wir betrachten unterschiedliche Ausprägungen dezentraler Infrastrukturen und Anwendungen, von Distributed-Ledger-Technologien über föderierte Datenräume bis zu offenen, dezentral organisierten Netzwerken wie Mastodon.
Drei Argumente, warum Dezentralisierung wichtig ist
Die Relevanz dezentraler Ansätze lässt sich anhand von drei zentralen Argumenten verdeutlichen:
Ausfallsicherheit: Beispiele wie der globale Cloudflare-Ausfall im November 2025, der LLM-Anbieter:innen, Plattformen wie X und oder Canva lahmlegte, zeigen deutlich die Verwundbarkeit zentralisierter Systeme. Dezentrale Systeme vermeiden diese Single Point of Failures, also einzelne Bestandteile, deren Ausfall weitreichende Folgen hat.
Digitale Souveränität: Abhängigkeiten von einzelnen Anbieter:innen können die Handlungsfähigkeit einschränken. Dies zeigte sich im Mai 2025 beim Internationalen Strafgerichtshof: Nach Kritik von US Präsident Donald Trump hatte der Chefankläger plötzlich keinen Zugang mehr zu seinen beruflichen Microsoft-Mails.
Demokratische Kontrolle: Dezentrale Infrastrukturen sind widerstandsfähiger gegen politische Eingriffe und Zensur, sie haben keinen Off-Switch und erfordern mehr Aufwand in der Überwachung. Das wird angesichts des weltweiten Aufstiegs autoritärer Kräfte immer zentraler.
Untersuchung in zwei Schlüsselbereichen
Mit Expert:inneninterviews und einer systematischen Erhebung untersucht das Projekt bis Ende 2026 die aktuelle und potenziellen Nutzung dezentraler Ansätze in zwei Schlüsselsektoren:
- Öffentliche Verwaltung: In der öffentlichen Verwaltung bestehen strategische Abhängigkeiten, etwa bei Bürosoftware oder Betriebssystemen. Im Projekt analysieren wir Initiativen wie den Deutschland-Stack zur Stärkung von Unabhängigkeit und Resilienz öffentlicher digitaler Infrastrukturen.
- Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Druck: Sinkendes Vertrauen, Angriffe von rechts und fehlende Nähe zu Nutzer:innen. Wir untersuchen, wie Alternativen zu großen Plattformen, etwa im Fediverse oder im Public Spaces Incubator, einen unabhängigen demokratischen Diskurs ermöglichen.
Ergänzt wird die Forschung durch zivilgesellschaftliche Beispiele als Testfeld für innovative Ansätze.
Wie geht es weiter?

Teilnehmende beim D64-Frühjahrsempfang. Foto D64/Fionn Große
Das Projekt kombiniert Expert:inneninterviews und eine bundesweite Befragung mit dialogorientierten Formaten. Gemeinsame Workshops und Podiumsdiskussionen ergänzen die Forschung und bieten Raum für gemeinsamen Austausch und Reflexion. Zum Projektabschluss diskutieren wir die Ergebnisse mit Parlamentarier:innen und relevanten Stakeholdern bei einem Abschlussevent.
Was entsteht?
White Paper
Ein White Paper mit politischen Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger:innen
Interaktives Dezentralisierungs-Tool
Ein interaktives Dezentralisierungs-Tool, das als Wegweiser für alle dient, die Dezentralisierung in die Praxis umsetzen möchten
Mach mit!
Ihr kennt spannende Anwendungsbeispiele für dezentrale Technologien oder habt Erfahrung in ihrer praktischen Umsetzung? Ihr arbeitet in der öffentlichen Verwaltung, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder in der Zivilgesellschaft und habt Interesse an einem Austausch? Wir freuen uns über Hinweise, Feedback und Interviewpartner:innen! Meldet euch unter buero@d-64.org.