Von D64 geladen, ging’s am Mittwoch, dem 27. Mai, in der Lettrétage in Berlin um die ganz feinen Nuancen und das große Ganze: Im Dialog zwischen Literatur und Digitalität über die Algorithmen der Social-Media-Plattformen, die heute die Bühnenbretter und Gatekeeper zur Welt bedeuten.
Autorin Fiona Sironic und Clarissa Walter – Doktorandin im Bereich Wissenschaftskommunikation – widmeten sich im Dialog dem Spannungsfeld des „Algorithmus“ und Lebensrealitäten.
Das Diktat des Algorithmus gilt für alle gleichermaßen: Beauty-Influencer:innen, Politiker:innen, Kunstschaffende und Forschende und letztlich auch für uns; für Reichweite, Aufmerksamkeit, Clicks, Comments und Likes müssen sich alle derselben intransparenten Ordnungslogik unterordnen.
Diffus ist das Bild dieses übermächtigen „Algorithmus“, den es so gar nicht gibt und der sich hinter verschlossenen Türen bei zwei bis drei Plattformen gebündelt konstant in Weiterentwicklung und Optimierung befindet. Optimierung nicht mit dem Ziel, Nutzer:innen mit besseren Informationen zu versorgen, sie zufriedener oder glücklicher zu machen, sondern allein mit dem Ziel, möglichst viel und lange Aufmerksamkeit zu binden. So viel ist uns vermutlich allen bewusst – und doch wird einem das nochmal anders deutlich, wenn eine Autorin und eine Wissenschaftlerin das Ganze fein vor Publikum sezieren.
Wenn wissenschaftliche Forschung, Fiktion, Kreativität und unsere Realität aufeinandertreffen, kann, wie an diesem Abend deutlich spürbar, etwas Magisches entstehen: Wahrhaftigkeit, ohne das Ziel zu verfolgen, anschließend in einem Kurzclip viral zu gehen.
In Abwesenheit vom dezidierten Ziel auf Viralität – kein Live-Stream, keine Reel-Mitschnitte, ja, überhaupt kaum jemand im Publikum zückte das Handy, um den Moment einzufangen – entstand diese besondere Intimität eines Publikums, das seine Aufmerksamkeit auf die sich vor Ihnen entfaltende Gegenwart konzentriert, auf den Austausch im Augenblick. Im Hier und Jetzt verhaftet war die Reflexion der zwei Frauen, die da auf der Bühne gekonnt gesellschaftskritischen Dialog mit literarischer Ausarbeitung verwoben.

