Datenschutz

Datenschutz ist – wie der Name schon sagt – lange Zeit vor allem als ein Schutz-Konzept etabliert und gelebt worden. Die Idee ist und war also, dass der unbedarfte Bürger vor einem Missbrauch seiner Daten durch entsprechende gesetzliche Vorgaben und dazugehörige Aufsichtsbehörden geschützt werden muss.

Der Grund lag vor allem darin, dass zum einen die schutzbedürftigen Vorgänge, Technologien und Anwendungszusammenhänge meist viel zu kompliziert und undurchschaubar waren. Zum anderen war der davon betroffene Anwender meistens weder willens noch interessiert daran irgendwie Einfluss auf diesen Prozess zu nehmen.

Wenn man sich z.B. zu vergegenwärtigen versucht, was durch das Setzen eines Häkchens bei der Anmeldung eines Telefonanschlusses alles an Folgeproblemen entstehen kann, wenn dabei der Veröffentlichung und Speicherung der Daten zugestimmt wird, vielleicht auch noch für werbliche Zwecke. Oder bei der Teilnahme an einem Glücksspiel im Baumarkt. Oder wenn man z.B. hätte herausfinden wollen, was genau mit den Abodaten geschieht, wenn man die Tageszeitung bestellt, wie und wo diese gespeichert werden, wie lange und an wen sie ggf. weitergeleitet werden können.

Das alles war bisher nicht nur schwer zu durchschauen, sondern auch überhaupt schwer erreichbar und irgendwie weit weg vom Bürger. Da waren tatsächlich Schutzmassnahmen die von Experten ersonnen wurden, das richtige Mittel um einen seriösen Umgang mit den Daten sicherzustellen.

Mit dem Internet ändert sich das grundsätzlich, und zwar in beiden relevanten Dimensionen, also sowohl was die Verfügbarkeit und Transparenz der Prozesse anbelangt als auch das Involvement und Interesse des Anwenders.

Das Internet bezieht seinen Reiz in weiten Teilen daraus, wie elegant und effizient es mit Daten umgeht. Produktempfehlungen, angepasste Werbung, Websites die sich an den letzten Besuch erinnern, Content-Teaser die sich unmerklich an die Interessen des Lesers anpassen. Fast alle spannenden Startups im Internet der letzten Jahre haben damit zu tun, Daten des Users zu nutzen und den Dialog entsprechend anzupassen – Google und Facebook sind da nur die prominentesten Beispiele.

Ein wesentlicher Unterschied zu den Abo- und Gewinnspieldaten von oben liegt dabei darin, dass die Daten sozusagen knapp unter der Oberfläche und meistens in Realtime verwendet werden. Also wenn ich irgendwas in die Google Suchbox eingebe, wird diese Information direkt verwendet, und entsprechende Anzeigen eingeblendet. Und wenn ich ein Computerbuch bei amazon kaufe, werden mir direkt dazu passende weitere Bücher angezeigt – usw.

D.h. Daten sind viel leichter verfügbar und werden viel transparenter und nachvollziehbarer genutzt als je zuvor in einem anderen Medium.

Was die Industrie allerdings bisher versäumt hat, ist diese Prozesse und die verwendeten Daten auch so zu visualisieren, dass der User jederzeit verstehen kann, was gerade passiert. Also wo seine Daten verwendet werden und welche genau. Wie lange diese gespeichert werden und warum. All die Fragen die einen interessieren, wenn man die Kontrolle über die eigenen Daten nicht verlieren möchte. Erste Ansätze zur Verbesserung dieser Seite der Medaille zeigen, dass es geht (wie z.B. das Google Dashboard https://www.google.com/dashboard/), aber es fehlt noch an derartigen Tools und Initiativen in der Breite.

Wir von d64 glauben an die intelligenten Geschäftsmodelle des Internets, die vor allem auch auf der Nutzung von Daten basieren. Wir glauben aber auch, dass die Internet-Unternehmen die gleiche Energie darauf  verwenden sollten, die Daten-Nutzung für den User transparent und steuerbar zu machen. Es kann nicht sein, dass bei dem Besuch einer Webseite 50 Cookies unbekannter Herkunft und mit kryptischem Namen gesetzt werden, ohne dass der User auch nur eine Chance hat, herauszufinden was da vor sich geht. Das Internet hat beispiellose Möglichkeiten der Interaktion hervorgebracht, der 1:1 Kommunikation und der intelligenten Visualisierung. Diese Möglichkeiten müssen endlich auch dafür genutzt werden, dem User volle Transparenz und Kontrolle über seine Daten in die Hand zu geben!

Denn – und das ist die zweite Sache die das Internet geändert hat – immer mehr User interessieren sich auch dafür, was mit Ihren Daten passiert. Das ist aus der Sicht des Daten- und Verbraucherschutzes eine kleine Revolution, denn bisher war der breiten Masse der Bürger Datenschutz meist völlig egal, zumindest haben sie sich nicht im Einzelnen damit auseinandergesetzt.

Facebook, StudiVZ, Google aber auch Foursquare und amazon haben das gründlich geändert. User wissen um ihre Daten, wollen diese kontrollieren, damit manchmal auch herumspielen und sie ggf. löschen können, oder mitbestimmen wenn sie an Dritte weitergegeben werden sollen!

Wir glauben, dass in dieser Kombination aus zunehmend aufgeklärten Usern und drastisch leichter zugänglichen Transparenz und Kontroll-Tools eine riesige Chance für die Zivilgesellschaft besteht. Die Chance liegt darin, das alte Schutz-Konzept des Datenschutzes Schritt für Schritt in ein Konzept des Empowerments für den souveränen Bürger umzuwandeln!

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