Creative Commons als öffentlich-rechtliche Aufgabe

D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e. V. legt ein White Paper zu Creative Commons im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor.

Weil es beitragsfinanziert ist - Creative Commons

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk produziert mit einem Gesamtbudget von jährlich über 9 Milliarden Euro enorme Mengen an urheberrechtlich geschützten Inhalten. Trotz der Finanzierung durch die Allgemeinheit über Rundfunkbeiträge sind die so erstellten Werke jedoch nicht für die Öffentlichkeit frei verfüg- und nutzbar. Mit seiner im Dezember 2013 gestarteten Initiative zur Förderung von Creative Commons möchte der D64 – Zentrum für den digitalen Fortschritt e. V. an dieser Situation etwas ändern.

“Creative Commons müsste in vielen Bereichen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks längst eine Selbstveständlichkeit sein,” fordert D64-Co-Vorsitzender Nico Lumma die verstärkte Nutzung von offenen Lizenzen für gebührenfinanzierte Inhalte. “Vor allem bei selbstproduzierten Beiträgen ohne Fremdmaterial ist es unverständlich, warum die Inhalte nicht frei lizenziert werden, sodass sie beispielsweise auch in die Wikipedia eingebunden werden könnten.”

D64-Co-Vorsitzende Valentina Kerst wiederum verweist auf die rechtlichen Probleme rund um die Ausstrahlung des NDR-Interviews mit NSA-Whistleblower Edward Snowden, dessen Originalversion anfänglich nicht zugänglich war: “Mit Creative Commons wäre das nicht passiert!” Für Kerst ist es deshalb an der Zeit, dass Hürden für Creative Commons im öffentlich-rechtlichen Rundfunk abgebaut werden: “Oft scheitert Creative Commons nur an veralteten Standardverträgen, die keine Creative-Commons-Option kennen. Hier sind die Rundfunkanstalten gefordert, nachzubessern.”

Lumma und Kerst verweisen in diesem Zusammenhang auf ein White Paper mit dem Titel “Creative Commons im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Probleme und Potentiale”, das der Urheberrechtsforscher Leonhard Dobusch, Juniorprofessor am Management-Department der FU Berlin, für D64 verfasst hat. Das White Paper ist ab sofort im Volltext auf der Webseite der Initiative unter http://cc.d-64.org als Download verfügbar.

Um die Nutzung von Creative Commons im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks voranzutreiben sieht Leonhard Dobusch mehrere Ansatzpunkte: “Ein erster Schritt könnte eine Studie zur Identifikation jener Inhalte sein, die ohne größeren Aufwand unter Creative Commons veröffentlicht werden könnten. Darüber hinaus sollten Standardverträge für Auftragswerke soweit abgeändert werden, dass sie Creative-Commons-Lizenzierung ermöglichen.”

Mit dem White Paper liegt nun erstmalig eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Problemen und Potentialen von Creative Commons im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor. “Wir hoffen mit unserer Initiative zu einem Umdenken in den Rundfunkanstalten beizutragen. Öffentlich finanzierte Inhalte müssen auch möglichst offen und frei zugänglich sein,” so Nico Lumma, der abschließend betont: “Dank Creative Commons könnten öffentlich-rechtliche Inhalte auch nach Ablauf der unsäglichen Depublizierungspfrist weiterhin digital verfügbar gehalten werden.”

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Rückfragehinweis:
D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt e.V.
Bülowstraße 66
Hof D, Eingang D1
10783 Berlin

Nico Lumma: 0151-61315310
Valentina Kerst: 0151-15692797
Leonhard Dobusch: 0176-27497547

D64 versteht sich als progressiver Think Tank, der über das reine Nachdenken hinaus auch politische Veränderungen erreichen will. Als Kompass für die inhaltliche Ausrichtung fungieren dabei die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, die es vor dem Hintergrund der Digitalisierung zu aktualisieren gilt.

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