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Zur Finanzierung von Nonprofit-Organisationen: Überlegungen und Erfahrungen von D64

Ob Kürzungen bei der politischen Bildung im geplanten Haushalt, Streichungen bei digitalen Projekten wie Firewall oder Hateaid oder der Rückzug der Open Society Foundation aus Westeuropa: Die aktuellen Entwicklungen zeigen einmal mehr, dass Nonprofit-Organisationen ihre Finanzierung diversifizieren...
Ulrich Berger im Gespräch mit Lena Stork, Svea Windwehr, Henning Tillmann und weiteren Mitgliedern.
Foto: D64/Johann Lensing

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Als Verein, der sich in einer Phase der Professionalisierung und Neuorientierung befindet, beschäftigen wir uns derzeit intensiv mit diesem Thema. Mit diesem Blogbeitrag möchten wir unsere Gedanken mit der Community teilen, unseren Mitgliedern unser Vorgehen transparent machen und (möglichen) Unterstützer:innen einen Einblick in unsere Pläne geben.

Unser Ziel ist eine Mischfinanzierung aus Mitgliedsbeiträgen, Struktur- und Projektförderung von Stiftungen und staatlichen Stellen sowie Spenden, um unsere 2022 eingerichtete Geschäftsstelle erhalten und ausbauen zu können. Was die Vor- und Nachteile der einzelnen Finanzierungsarten sind und wie wir zu ihnen stehen, haben wir unten genauer aufgeschrieben.

Direkt zum Onepager Finanzierung 2024

Auf der Suche nach Finanzierung für das Jahr 2024 sind uns dabei folgende Sachen aufgefallen:

  • Wir sind ein etablierter Verein, der sich eigentlich mehr für Struktur- als Projektförderung anbietet. Obwohl wir 2011 gegründet wurden, nehmen wir erst seit 2022 Förderungen an.
  • Aufgrund des hohen ehrenamtlichen Engagements wirken wir größer, als wir sind. Momentan arbeiten für D64 2,5 Vollzeit-Äquivalente bei 800 Mitgliedern.
  • Inhalte werden bei D64 immer von Ehrenamtlichen erarbeitet, Finanzmittel werden daher eher für organizing als für die Erstellung von Inhalten benötigt.
  • Durch das breite inhaltliche Spektrum, sind sehr viele verschiedene Projekte theoretisch möglich, gleichzeitig kann unser Portfolio beliebig wirken.

Möglichkeiten der Finanzierung für Nonprofit-Organisationen

Mitgliedsbeiträge von aktiven Mitgliedern sind frei verfügbare, planbare und nachhaltige Finanzmittel. Der Nachteil ist hier, dass ein schnelles Wachstum oder das Einwerben von größeren Summen schlecht möglich ist. Fördermitglieder zahlen in der Regel höhere Beiträge und haben kein Stimmrecht. Wenn man die Fördermitgliedschaft für juristische Personen, zum Beispiel für Unternehmen, öffnet, besteht gegebenenfalls die Gefahr von Einflussnahme.

D64 hat ca. 800 Mitglieder und erhält ca. 75.000 Euro Mitgliedsbeiträge pro Jahr. Der reguläre Mitgliedsbeitrag beträgt 10 Euro pro Monat, reduziert 2,50 Euro. In Zukunft sind eine Flexibilisierung des regulären Mitgliedsbeitrages geplant. Das Thema Fördermitgliedschaften ist bei uns noch in der Diskussion.

Spenden sind rechtlich Schenkungen, da sie ohne direkte Gegenleistung vergeben werden. Sie sind wie Mitgliedsbeiträge bei gemeinnützigen Organisationen steuerlich absetzbar. Spenden sind häufig schlechter planbar, sind aber auch frei verfügbar. Das Ideal vieler Organisationen sind Kleinspenden vieler, natürlicher Personen. Hierfür braucht es einerseits die entsprechende technische Infrastruktur, andererseits muss auch Zeit in den Aufbau und Pflege einer Community investiert werden. Eine Sonderform der Kleinspenden ist das Crowdfunding, bei dem mit einer Deadline für ein bestimmtes Projekt oder ein Fehlbetrag vom Budget, Geld eingesammelt wird. Hier wird häufig eine Dringlichkeit betont (oder fingiert) und teilweise werden Dankeschöns an Unterstützer:innen verschickt. Bei Großspenden kommt es häufig auf bestehende Kontakte an. Je nach Person oder Unternehmen, die spendet, kann es auch hier zum Versuch der Einflussnahme kommen. Spenden von Stiftungen sind in der Regel zweckgebunden und eigentlich Projektförderungen.

D64 erhält momentan kaum Spenden. Es ist geplant, mit dem Start der neuen Website im Winter 2023 vor allem um Kleinspenden zu werben. Spenden von Big Tech werden nicht angenommen.

Förderungen werden in der Regel als Projektförderungen vergeben. Der Vorteil ist, dass relativ große Summen eingeworben werden können. Der Nachteil, dass das Geld zweckgebunden ist und häufig nur neuartige Modellprojekte gefördert werden können. Bei staatlicher Förderung besteht zudem die Gefahr der Einflussnahme, vor allem wenn in den Projekten inhaltlich zu Digitalpolitik gearbeitet wird. Strukturförderung durch Stiftungen und/oder den Staat ist die absolute Ausnahme. Staatliche Strukturförderung ist häufig nur für sehr etablierte Akteur:innen möglich, zum Beispiel im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes.

D64 teilt seine Aktivitäten in zwei Programmlinien auf: A) “Digitalpolitik progressiv gestalten” und B) “Digitales Ehrenamt zeitgemäß gestalten”. Für unsere inhaltliche Arbeit zur progressiven Gestaltung von Digitalpolitik nehmen wir keine staatlichen Zuwendungen an, sondern setzen auf Förderungen durch Stiftungen. So haben wir 2022 und 2023 eine Förderung von Reset von Luminate von insgesamt 200.000 Euro für die Einrichtung der Geschäftsführung erhalten. Außerdem ermöglichte uns eine Förderung durch Reset für unseren Frühjahrsempfang auf Sponsoring zu verzichten. Für die Förderung des digitalen Ehrenamts nehmen wir Zuwendungen von Ministerien und Bundesprogrammen an. In diesem Jahr erhalten wir zudem für die Neugestaltung unserer Website und die Weiterentwicklung unseres digitalen Vereinsheims eine 20.000 Euro Förderung durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt.

Auch in Zukunft möchten wir uns teilweise über Förderungen finanzieren, am liebsten mit einem gemeinsamen Fonds verschiedener Stiftungen als Partnerschaft mit D64. Eine große Herausforderung dabei ist, dass wir inhaltlich sehr breit aufgestellt sind und eine Strukturförderung am besten zum Charakter unseres Vereins passt, bei dem die Inhalte immer von Ehrenamtlichen erstellt werden.

Honorare, Auftragsarbeiten und Sponsoring bieten Einnahmen, für die eine Leistung erbracht werden muss. Bei Honoraren geht es dabei häufig um die Mitgestaltung von Podien, Workshops oder Vorträgen. Entweder nehmen Personen das Honorar für ihren Aufwand an und spenden auf freiwilliger (!) Basis einen Teil an den Verein zurück oder der Verein stellt die Rechnung. Auftragsarbeiten betreffen häufig Studien oder größere Projekte. Hier besteht das Problem der direkten Einflussnahme durch den Auftraggeber. Beim Sponsoring besteht die Gegenleistung in einer Nennung des Sponsors, zum Beispiel in der abgegrenzten Kommunikation für eine Veranstaltung.

D64 und Menschen, die für D64 sprechen, nehmen Honorare an, unter anderem auch, um das Preisgefüge für Speaker:innen-Anfragen nicht für andere herunterdrücken. Das Thema Auftragsarbeiten als theoretische Möglichkeit ist bei uns noch in der Diskussion. Bis 2020 wurden die Neujahrs-/Frühjahrsempfänge von D64 gesponsort. Aktuell werden sie über Förderungen finanziert. Unser Ziel ist, auch in Zukunft auf Sponsoring von Veranstaltungen verzichten zu können.

Zusammengefasst: D64 sucht Förderpartner und wird stärker auf Spenden setzen

Erwünscht Einnahmen 2024: Stiftungen 45%, Mitgliedsbeiträge 25%, Spenden 15%, Staatliche Förderung (im Bereich "Digitales Ehrenamt") 15%

In den nächsten Jahren soll dabei der Anteil der Spenden sowie der Mitgliedsbeiträge steigen und der Förderungen sinken, damit wir noch unabhängiger werden. Über Anregungen und Fragen freuen wir uns. Überlegst du, D64 zu unterstützen? Einen weiteren Überblick zu unseren Vorhaben gibt es im Onepager D64 Finanzierung 2024.

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D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt

Informationen rund um den Verein werden durch den D64 Vorstand freigegeben und von der Geschäftsstelle publiziert.

Mitwirkende

Ulrich Berger

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