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Wir empfehlen Gimp, Inkscape und Scribus

Zum Anfang des Monats werfen wir in diesem Beitrag einen Blick auf Grafik-Tools. Die verschiedenen Angebote von Big Tech setzen in diesem Bereich zunehmend auf Abonnements oder Premium-Modelle. Doch es gibt auch im Open-Source-Bereich mächtige Tools.
Wir empfehlen GIMP, Inkscape und Scribus Statt Photoshop, Illustrator und InDesign Blogpost

Zum Anfang des Monats (#DIDit) werfen wir in diesem Beitrag einen Blick auf Grafik-Tools. Die verschiedenen Angebote von Big Tech setzen in diesem Bereich zunehmend auf Abonnements oder Premium-Modelle. Zudem versuchen sie aggressiv, KI-Funktionen an die Nutzenden zu bringen. Für Privatanwender machen Abomodelle, insbesondere bei nur gelegentlicher Nutzung, angesichts hoher monatlicher Kosten keinen Sinn. Auch Unternehmen wägen zunehmend kritisch ab, ob sie sich unklaren Preis- und Lizenzstrategien bei häufig unklaren und nicht absehbaren Bedingungen weiter aussetzen wollen bzw. können. Doch es gibt auch im Open-Source-Bereich mächtige Tools. Um die geht es hier.

Grafik-Tools lassen sich grob in Werkzeuge zur Bildbearbeitung, zur Erstellung von skalierbaren Vektorgrafiken und Programme für den aufwändigeren Satz von Dokumenten für den Druck (Desktop Publishing) unterteilen. Bekannte und beliebte Vertreter dieser Gattungen sind GIMP in der Bildbearbeitung, Inksape für Vektorgrafiken und Scribus im Desktop Publishing. Seit einiger Zeit entwickelt sich Krita zunehmend zu einer Alternative zu Gimp.

Alle genannten Lösungen haben eines gemeinsam: sie sind Open Source und unterstützen die gängigsten Formate in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich sowohl beim Import als auch beim Export.

Schauen wir uns die genannten Anwendungen etwas näher an.

GIMP

„GIMP“ steht für „GNU Image Manipulation Program“ – und das ist GIMP auch: eine Anwendung für Fotoretusche, Bildkomposition und Bildbearbeitung, die als Community- und freie Software vollkommen kostenlos genutzt werden kann.

Schon die erste öffentlich verfügbare Version 0.54 im Januar 1996 bot eine Menge interessanter und nützlicher Funktionen zur Bilderstellung und -bearbeitung. Damals stand „GIMP“ noch für „General Image Manipulating Program“. Seit Version 0.60 verwendet GIMP ausschließlich freie Programmbibliotheken und nennt sich „GNU Image Manipulating Program“.

Natürlich ist auch der Funktionsumfang seit den Anfängen des Programms stetig gewachsen und hat sich zu einer echten Alternative zu vermeintlichen kommerziellen Platzhirschen, insbesondere Photoshop, entwickelt. GIMP bietet umfangreiche und leistungsstarke Unterstützung für die Erstellung von Pixel-/Rastergrafiken sowie für die Bearbeitung von digitalem Fotomaterial. Zudem bietet GIMP eine Skriptsprache zur Automatisierung wiederkehrender Aufgaben bei der Bildbearbeitung und Programmierschnittstellen zur Entwicklung von Erweiterungen (Plug-ins).

Für die Speicherung der Arbeiten nutzt GIMP standardmäßig ein eigenes Dateiformat (XCF), unterstützt aber über entsprechende Exportfunktionen auch eine große Menge weiterer, gängiger Datenformate für eine leichte Weitergabe und Nachnutzung der Ergebnisse.

Zusätzlich steht eine große Menge von der Community entwickelter Plug-ins zur Verfügung.

Veröffentlicht wird GIMP unter der GNU General Public License Version 3. Am 14. März 2026 wurde die aktuelle Version 3.2 für Windows, macOS und Linux bereitgestellt.

Weitergehende Informationen zu GIMP selbst, zu Anwendungsmöglichkeiten und -beispielen und natürlich Download-Möglichkeiten finden sich über die Website des Projekts:

Inkscape

Inkscape ist ein Programm für die Erstellung und Bearbeitung von Vektorgrafiken. Es ist verfügbar für Linux, Windows und Mac OS. Der Funktionsumfang ist für den Einsteiger erst mal fast unüberschaubar. Dementsprechend benötigt man auch eine gewisse Einarbeitungszeit.

Eine Übersicht über die Funktionen findet sich auf der Website der Entwickler*innen:

Inkscape eignet sich zur Erstellung von Vorlagen für Plakate, Flyer zum Druck, aber auch von Grafiken für Webseiten, Apps und vieles andere. Anders als bei Bildbearbeitungsprogrammen wie GIMP wird mit Vektoren gearbeitet. D.h., es werden statt punktgenauer Bearbeitung im Raster (Pixel für Pixel) definierte Linien, Kurven, Polygone oder Kreise verwendet, die frei und ohne Qualitätsverluste skalierbar sind. Vektorgrafiken lassen sich praktisch beliebig vergrößern, ohne an Schärfe zu verlieren. Dennoch lassen sich andere Formate (z. B. auch Fotos) in Projekte einfügen, speziell für den Druck muss man dann jedoch die Auflösung und Skalierbarkeit dieser eingefügten Elemente besonders im Blick behalten.

Anders als Programme mit proprietären Lizenzen verwendet Inkscape als Standard SVG (Scalable Vector Graphics), ein freies, quelloffenes und standardisiertes Dateiformat für Vektorgrafiken, das von praktisch jedem anderen Grafikprogramm gelesen und bearbeitet werden kann. Es wird vom World Wide Web Consortium (W3C) entwickelt und gepflegt.

Inkscape bietet umfangreiche Import- und Exportfunktionen in andere Formate. Beispielsweise lassen sich PDF-Dateien bearbeiten – und auch exportieren. Neben den Standard-Features können auch Erweiterungen installiert werden. Im Programm steht dafür eine Erweiterungsgalerie zur Verfügung.

Veröffentlicht wird Inkscape kostenfrei unter der GNU General Public License 3 (GPL 3 Lizenz). Es gibt keine Bezahl- oder Abo-Modelle. Die Anwendung wird von einer Entwicklergemeinschaft stetig weiterentwickelt.

Mehr über Inkscape und eine Möglichkeit zum Download der Software finden sich unter:

Scribus

Wer Drucksachen oder aufwändig gestaltete PDFs wie Flyer, Prospekte oder Broschüren, ganze Zeitschriften oder gar Bücher erstellen möchte, gerät mit den bekannten Office-Programmen schnell an eine Grenze. Für solche Projekte kommt man an einer Lösung für Desktop Publishing (DTP) nicht vorbei. Hier lohnt sich ein Blick auf Scribus – eine leistungsstarke, offene Alternative zu Produkten wie zum Beispiel Adobe InDesign.

Scribus bietet alle Funktionen, die für anspruchsvolles Seitenlayout erforderlich sind: von der eigentlichen Gestaltung u.a. mit Rahmen und Ebenen zum Satz bzw. zur Positionierung von Texten und Bildmaterial, über das Farbmanagement und Druckmarken in Vorbereitung des eigentlichen Drucks bis zur umfassenden Unterstützung von PDF als Exportformat u. v. m. Außerdem ist der Import diverser, auch proprietärer, Dateiformate für Textmaterial und von Dateien anderer DTP-Programme wie z.B. QuarkXPress möglich.

Anders als die meisten anderen, insbesondere kommerziellen Anwendungen im DTP-Bereich, verwendet Scribus selbst kein proprietäres und meist binäres Dateiformat für die Arbeitsdateien, sondern setzt auch hier mit einem XML-Format ganz auf Offenheit.

Über die eigenen Funktionalitäten hinaus bietet Scribus die Möglichkeit zur skriptgesteuerten Automatisierung und zur Entwicklung von Erweiterungen unter Verwendung der populären Skriptsprache Python. Wenn PDF-Formulare mittels Scribus erstellt werden, können diese mittels JavaScript funktional erweitert werden. Eine lebendige Entwicklercommunity stellt eine große Anzahl von Plug-ins und Skripten zur Verfügung.

Scribus ist für eine ganze Reihe von Betriebssystemen, u. a. für Windows, macOS und natürlich Linux, über die Website des Projekts https://www.scribus.net/ verfügbar. Es ist freie und kostenlose Open-Source-Software und steht grundsätzlich unter der GNU General Public License Version 2. Einige Teile des Codes unterliegen allerdings anderen Lizenzen bzw. sind Public Domain. Wer dies z. B. als Entwickler genauer wissen möchte oder muss, sollte sich das tatsächlich näher anschauen. Für den gemeinen Anwender spielt es keine Rolle.

Wer ohne tief in die Tasche zu greifen, gleichwohl mit hohem Anspruch kreativ sein möchte, findet in der Open-Source-Welt durchaus bewährte und leistungsstarke Lösungen. – Nur zu: probiert sie aus!

Mehr Informationen
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Von GIMP, Inkscape oder Scribus erstellte Dateien können ganz nach den Vorstellungen des Erstellenden weitergegeben und auch lizenziert werden. Die Lizenz des Programms spielt hierfür keine Rolle. Bei manchen kommerziellen Produkten sichern sich die Hersteller über ihre Lizenzmodelle, Geschäftsbedingungen bzw. Endbenutzervereinbarungen den Zugriff auf die Arbeitsergebnisse der Nutzenden und die eigene kostenfreie Nachnutzung (z. B. Canva bzw. Affinity – auch wenn man das aktuell häufig noch abschalten kann). Keines der genannten Open-Source-Programme verpflichtet dazu, z. B. bei den Entwicklern ein Benutzerkonto anzulegen oder sonstige Daten preiszugeben. Die Programme laufen alle lokal auf dem eigenen Rechner, nicht in der Cloud, d.h., ein Netzzugang ist nur für das Herunterladen der Programme und ggf. von Erweiterungen erforderlich.

Entstanden ist die Beitragsserie zum Digital Independence Day nach einer Idee unseres verstorbenen AG-Co-Koordinators Oswald Prucker. D64 ist Partnerorganisation des DI.DAY.

Foto von AG Open Source

AG Open Source

Open Source ist ein Mindset und die Grundlage digitaler Souveränität. Dabei geht es uns nicht allein um Software oder Lizenzen und Rechte. Der eigentliche Kern von Open Source ist ein transparentes, vernetztes und kooperatives Handeln und Gestalten. Wir arbeiten an Denkanstößen und Lösungsansätzen, um diese Grundsätze zu stärken.

Mitwirkende

Oliver Pfleiderer , Oliver Bildesheim

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