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Footprints in Mainz: Digitale Teilhabe sichtbar machen

Digitale Teilhabe ist etwas, das im Alltag von Menschen entschieden wird, also in Beratungsgesprächen, in Vereinsbüros, in Behörden und in all den denkbaren Momenten dazwischen. Mit unserem Format Footprints wollen wir zeigen, was in den Debatten über...
Vier Frauen sitzen nebeneinander auf Stühlen und halten Mikrofone. Sie sind in einer Diskussionssituation. Die zweite Person von links spricht gerade. Im Hintergrund links ein großer Bildschirm mit blauem Hintergrund und dem Text „D64 / Zentrum für Digitalen Fortschritt" in weiß. Rechts dahinter ein großes Poster mit hellblauem Hintergrund, oben „D64 / Zentrum für Digitalen Fortschritt", darunter eine Netzwerk-Grafik mit weißen Kreisen und Verbindungslinien. Links im Vordergrund eine Blume.

Digitale Teilhabe ist etwas, das im Alltag von Menschen entschieden wird, also in Beratungsgesprächen, in Vereinsbüros, in Behörden und in all den denkbaren Momenten dazwischen. Mit unserem Format Footprints wollen wir zeigen, was in den Debatten über Digitale Transformation oft zu kurz kommt, und das mit einem klaren regionalen Fokus, von der Organisation bis zur Auswahl der Gäste. Am 17. Juni haben wir in Mainz Sichtbarkeit dafür geschaffen und explizit auch Menschen eingeladen, die nicht Mitglied bei D64 sind. Trotz schwüler dreißig Grad kamen rund 30 Personen ins Bürgerhaus Lerchenberg, das wir bewusst als barrierefreien Veranstaltungsort gewählt haben.

Zu Gast waren Pia Jahnke von JUMP (Junge Menschen mit Perspektive) und ehemalige Landesjugendbeirätin, Helga Handke, seit 2018 ehrenamtliche Digital-Botschafterin in Mainz, und Olga Loseva von Die Sputniks e.V., der Vereinigung russischsprachiger Familien mit Kindern mit Beeinträchtigungen in Deutschland. Moderiert hat Tatiana Muñoz, Mitglied von D64, die ein offenes Format für den Abend gestaltete.

Die drei Panelistinnen haben Einblicke aus ihrer konkreten regionalen Arbeit mitgebracht und konnten aus Gesprächen mit betroffenen Personen berichten, die dem Abend eine Unmittelbarkeit gaben, die man in Paneldiskussionen selten findet. Thematisch kreiste die Diskussion um Assistenzsysteme und inklusive Digitalpolitik, um Betroffenenperspektiven und um die Frage, welche Rolle lokale Netzwerke dabei spielen können.

Pia Jahnke berichtete:

Was ich erlebe, ist, dass Texte nicht vorgelesen werden können und nicht in leichter Sprache geschrieben sind. Entweder haben sie jemanden, der ihnen hilft, aber oft waren sie aufgeschmissen und kamen nicht an die Information.

Vier Frauen stehen nebeneinander vor einem modernen Gebäude mit Backsteinwand und großen schwarzen Fenstern. Sie halten kleine Kärtchen in den Händen. Die erste Person von links trägt eine weiße Bluse mit Stickerei und Brille, hält ein kleines Kärtchen mit blauem Herz. Die zweite Person trägt eine blaue Leinenjacke über schwarzem Top und hält ebenfalls ein Kärtchen mit blauem Herz. Die dritte Person trägt ein hellblaues T-Shirt, Brille und hält ein Kärtchen mit blauem Herz. Die vierte Person von rechts trägt eine weiße Bluse und hält ein schwarzes Kärtchen mit D64-Logo.
Foto: D64/Hannah Holtz

Helga Handke betonte:

Ich erlebe, dass Menschen keinen Termin machen können, kein Busticket kaufen können, dass sie die ePA nicht benutzen können. Ich könnte ewig so weitermachen. Es gibt immer mehr Möglichkeiten, die man nur digital wahrnehmen kann. Viele ältere Leute haben das nicht und verstehen das nicht. Das ist auch der Punkt, an dem sie nicht teilhaben wollen. Es geht um banale Dinge wie zum Arzt gehen. Das ist Ausschluss. Und dann gibt es Beispiele, wie man wieder teilhaben kann. Man muss dazu offen sein und sein Handy auch benutzen. Wenn sie meinen Kurs machen, ist das Erste, was ich feststelle: 50 % der Handys können kein Update mehr machen.

Foto von hinten: Publikum bei einer D64-Veranstaltung schaut nach vorne. Im Hintergrund großer blauer Bildschirm mit D64-Logo und ein hellblaues Rollup mit Netzwerk-Grafik.
Foto: D64/Raewyn Leipold-Olszówka

Olga Loseva hielt fest:

Messenger und Video-Calls sind wichtig für die Kommunikation. Es gibt zum Glück Übersetzungsfunktionen, die alle Migrant:innen für ihre Sprache nutzen können. Aber wenn man spezielle Fachbegriffe nicht kennt, kann man sie nicht verstehen. Direkte Übersetzung verwirrt manchmal, weil Begriffe eine andere Bedeutung haben. Rente heißt zum Beispiel Behindertenhilfe. Mit KI ist das besser.

Auch die Motivationen, sich zu engagieren, wurden an dem Abend greifbar. Olga Loseva brachte ihre Motivation schlicht auf den Punkt: der Gedanke, heute anderen Familien zu helfen und morgen selbst Unterstützung zu bekommen.

Fishbowl inklusive

Die Moderatorin Tatiana Muñoz hat sich bewusst gegen ein klassisches Podiumsformat entschieden, das bestimmte Stimmen stärker bevorzugt und andere im Dunkel des Publikums belässt. Stattdessen haben wir auf das bewährte Format Fishbowl gesetzt, bei dem einige Personen im inneren Kreis sitzen und das Gespräch führen, während der äußere Kreis zuhört. Ein Platz im inneren Kreis bleibt immer frei und ist für das Publikum reserviert. Jede Person aus dem Publikum kann jederzeit aufstehen, den freien Platz einnehmen und Teil der Diskussion werden. Das Ergebnis war ein Abend, der sich nicht wie eine Veranstaltung anfühlte, bei der man nur passiv zuhört, sondern wie ein Gespräch, an dem man aktiv teilnimmt und ein Netzwerk schafft, das es vorher noch nicht gab.

Foto: Nach einer Veranstaltung. Mehrere Personen führen in kleineren Gruppen Gespräche in einem hellen Raum mit großen schwarzen Fenstern.
Foto: D64/Raewyn Leipold-Olszówka

Ein ehrenamtlicher Abend

Dass diese Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, ist vor allem unserem Mitglied Oliver Pfleiderer zu verdanken. Er hat die Organisation federführend übernommen und dabei nicht nur die Raumbuchung in Zusammenarbeit mit dem regional aktiven Verein Arque e.V. unterstützt, sondern auch die inhaltliche Gestaltung des Abends, in Absprache mit dem ehrenamtlichen Vorstand von D64 und der Geschäftsstelle, verantwortet. Über sein gewachsenes regionales Netzwerk konnte er ein Panel zusammenstellen, das unterschiedlichere Perspektiven kaum hätte sein können. Im Anschluss entstand reger Austausch über regionale Vernetzungsangebote, neue Kontakte inklusive.

Oliver schloss den Abend mit den Worten:

Die Panelistinnen haben drei unterschiedliche Sichtweisen auf digitale Teilhabe, aber auch Gemeinsamkeiten. Wir müssen zwischen unterschiedlichen Gruppen differenzieren. Ältere Menschen sind nicht mit digitalen Technologien aufgewachsen. Gleichzeitig werden Menschen mit Behinderung oft nicht als digitale Natives wahrgenommen.

Footprints ist ein Format von D64. Mehr Infos unter d-64.org/footprints/