Der Status Quo: Wie Daten über dich gesammelt werden
Während du im Internet surfst, nutzen Websiten verschiedene Mechanismen, um möglichst viele deiner Aktivitäten nachverfolgen zu können (sog. „Tracking“). Zu den häufigsten Methoden gehören Cookies, Skripte oder Widgets die meist unbemerkt im Hintergrund aktiv sind. Damit lassen sich Suchverläufe bis hin zu einzelnen Klicks oder auch dein Standort über mehrere Websiten hinweg auswerten (sog. Cross-Site-Tracking) und zu einem Profil zusammenführen (sog. Profiling). Diese Profile werden sowohl von den besuchten Websiten genutzt, als auch global an weitere Interessenten wie beispielsweise Meta (Betreiber von Facebook, Instagram & Whatsapp) verkauft, um dir beispielsweise personalisierte Werbeanzeigen auszuspielen. Wie lange, von wem und welche Daten über dich erfasst werden, lässt sich nur selten nachvollziehen.
Das Problem: Kaum Kontrolle über die Verwendung
Die Informationen über dich werden vorwiegend verwendet, um dir gezielt bestimmte Werbung anzuzeigen. Oft handelt es sich dabei um triviale Werbeanzeigen, z.B. zu einer neuen Waschmaschine. Die von dir erstellten Profile sind aber meist so umfangreich, dass dir auch intime oder manipulative Anzeigen ausgespielt werden können. Das können beispielsweise Anzeigen sein, die dir regelmäßig verzerrte Fakten zu politischen Themen zeigen, wenn das Profil über dich vermuten lässt, dass du zu diesen Themen noch keine abschließende Meinung gefunden hast.1 In der alltäglichen Informationsflut beim Surfen durch das Internet kann es oft schwer sein, diese Art von Anzeigen zu erkennen und eine ungewollte Beeinflussung durch diese bewusst zu verhindern.
Neben personalisierter Werbung kann es auch passieren, dass die Informationen über dich für staatliche Überwachung genutzt werden. Sowohl von Strafverfolgungsbehörden der eigenen Regierung, also auch von Regierungen in anderen Ländern, welche diese Daten nutzen, um über die Erteilung eines VISAs zu entscheiden.2
Es besteht zudem immer das Risiko, dass deine Daten in die Hände von Kriminellen fallen. Identitätsdiebstahl, gezielte Cyberangriffe oder die Veröffentlichung intimer Informationen zu bspw. deiner sexuellen Orientierung können die Folge sein. Besonders problematisch wird dies bei Standortdaten, mit denen sich ermitteln lässt, wann du nicht zuhause bist oder zu welchen Ärzten du gehst.3
Infobox: Tracking durch Facebook
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Ein sehr eindrücklicher Fall von massenhaftem und schon mehrfach rechtswidrigem Datensammeln ist der Konzern Meta (ehemals Facebook). Neben Facebook gehören diesem mittlerweile auch Instagram, Whatsapp und kleinere Dienste, durch deren Nutzung man dem Unternehmen bereits eine Vielzahl höchstpersönlicher Daten zur Verfügung stellt. Der Konzern interessiert sich aber nicht nur für das was auf seinen eigenen Plattformen passiert, sondern hat überall im Internet Tracker platziert, um auch Profile über Menschen erstellen zu können, die dessen Dienste gar nicht nutzen (sog. shadow profiles).
Infobox: Cookies & ihre Banner
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Auf nahezu jeder Seite begegnen sie uns: Nervige Cookie-Banner, die uns fragen, ob wir der Aktivierung von Cookies für Werbeanzeigen und andere „Optimierungen“ zustimmen. Oft hört man, dass EU-Gesetzgebung, insbesondere die DSGVO, solche Banner auf allen Seiten erfordert. Das stimmt so aber nicht. Technisch notwendige Cookies – also bspw. zum Speichern der Spracheinstellung einer Website oder zum Betreiben des Warenkorbes – dürfen Websites ohne Einwilligung der Nutzer:innen einsetzen. Nur bei Cookies, die darüber hinausgehen (also bspw. für Profiling), ist eine Einwilligung erforderlich. Und das hat nicht die DSGVO eingeführt, sondern gilt schon seit über 20 Jahren. Für Cookie-Banner sind also vor allem die Websitenbetreiber verantwortlich, die nicht einfach nur ihre Inhalte anzeigen, sondern dabei Daten über dich sammeln möchten.
So schützt du deine Privatsphäre
1. Cookie-Banner ablehnen
Jede Website versucht, dass du in ihrem Cookie-Banner auch den Werbe-Cookies zustimmst (siehe Infobox „Cookies & ihre Banner“). Die Banner sind oft so gestaltet, dass der „Akzeptieren“ Button hervorgehoben wird und der „Ablehnen“ Button erst nicht ersichtlich ist, anders heißt oder man sich zuerst weitere Optionen anzeigen lassen muss, bevor man ihn findet. Sich hier trotzdem für das Ablehnen zu entscheiden, lohnt sich aber; ein großer Teil der über die jeweilige Website abfließenden Daten lässt sich damit bereits stoppen.
2. Einen datenschutzfreundlichen Browser nutzen
Die mit Abstand meistgenutzten Browser sind Chrome, Safari und Edge. Nicht, weil dies die mit Abstand besten Browser sind, sondern ganz einfach, weil sie auf den meisten Rechnern vorinstalliert sind. Dabei gibt es eine Vielzahl von kostenfreien Browsern, welche die gleiche Leistung erbringen, dabei aber einen höheren Wert auf Datenschutz legen. Wir empfehlen hier insbesondere Firefox. Alternativ eignen sich ebenso Brave oder der Mullvad Browser.
Wie sich ein neuer Browser wie Firefox installieren lässt, ist auf dieser Infoseite beschrieben. Das Vorgehen ist bei anderen Betriebssystem wie MacOS oder für andere Browser meist ähnlich.
Lesezeichen lassen sich übrigens problemlos aus dem bisher genutzten Browser exportieren und in den neuen Browser importieren. Hierzu finden sich kurze Anleitungen auf den Seiten der jeweiligen Browser.
3. Den Browser anpassen (sog. hardening)
Manche Browser haben bereits Werbe- & Trackingblocker vorinstalliert. Trotzdem sollten hierfür zusätzlich Erweiterungen (sog. Add-Ons) installiert werden. Hier empfehlen wir insbesondere das kostenfreie Add-On „uBlock Origin“, welches einen Großteil der Werbeanzeigen sowie weitere Tracking-Mechanismen blockiert.
Auf dieser Infoseite wird beschrieben, wie dieses Add-On bei Firefox installiert werden kann. Das Vorgehen ist bei anderen Browsern ähnlich.
4. Datenschutzeinstellungen in Konten durchgehen
Die Einstellung beim Datenschutz, z.B. in Social-Media-Konten, sind häufig so voreingestellt, dass möglichst viele Daten an die Betreiber weitergegeben werden. Diese Einstellungen sind nicht immer leicht zu finden, wenn man sie aber erstmal gefunden hat, lässt sich mit wenigen Klicks bspw. das Anzeigen personalisierter Werbung oder die Weitergabe von Daten an Dritte verhindern.
Weitere Schritte
Du möchtest mehr über den Schutz deiner Privatsphäre erfahren und die Sicherheit deiner Daten stärken? Dann sieh dir die anderen Teile des Datenschutz 1×1 an:
Profiling: Die Mailadresse reicht aus
Datensicherheit: Schutz vor Hackerangriffen
Datenschutz: Warum ist das wichtig?
Das ist ein unsichtbarer Absatz.
Zudem empfehlen wir:
Data Detox Kit (Mozilla Foundation)
Surveillance Self-Defense (Electronic Frontier Foundation)
Grundlagen des Datenschutzrechts (BfDI
Quellen
1 Lutz, J. (2023). Noyb reicht Beschwerden wegen Microtargeting ein. netzpolitik.org [abgerufen am 01.06.2025]
2 Steffens, F. (2025). Trump stoppt Studenten-Visa. FAZ. [abgerufen am 01.06.2025]
3 Meineck, S. & Dachwitz, I. (2024). Die große Datenhändler-Recherche im Überblick. netzpolitik.org [abgerufen am 01.06.2025]