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Das Potenzial der Vielen heben: Förderlücken in der Startup-Förderung schließen

Unter Mitarbeit von D64-Expert:innen aus Wirtschaft und Forschung hat die AG Startup-Förderung von D64 ein neues Positionspapier erarbeitet. Es beschäftigt sich mit der deutschen Gründer- und Gründungsförderungslandschaft und zeigt Lücken und Lösungsvorschläge auf. Ausgangslage ist dabei die...
Sharepic von D64. Vor weißem Hintergrund steht im linken Drittel des Bildes "D64 zentrum für Digitalen Fortschritt. In der Mitte des Bildes ist vor blauem Hintergrund eine kleine Grafik von Figuren erkennbar, die sich gegenseitig dabei helfen, eine Mauer zu überklettern. Daneben steht rechts vor blauem Grund: "Startup-Förderung: Das Potenzial der Vielen heben Positionspapier d-64.org"

Unter Mitarbeit von D64-Expert:innen aus Wirtschaft und Forschung hat die AG Startup-Förderung von D64 ein neues Positionspapier erarbeitet. Es beschäftigt sich mit der deutschen Gründer- und Gründungsförderungslandschaft und zeigt Lücken und Lösungsvorschläge auf. Ausgangslage ist dabei die Startup-Strategie der Bundesregierung, die im Juli 2022 beschlossen wurde. In drei Abschnitten befasst sich das Positionspapier mit den Themen „Förderung nicht-akademischer Gründungen von Startups“, „Sozialer Aufstieg durch Gründung“ und mit „Gründungen von Menschen mit Migrationsgeschichte fördern“.

Das Positionspapier als PDF

Wer heute in Deutschland gründet, ist in der Regel weiß, männlich, wohl situiert und hat einen Studienabschluss. Gute Ideen kann jedoch jeder Mensch haben. Vielmehr ist der Erfolg einer jeden Idee wesentlich von ihrer Umsetzung abhängig, sodass jede:r Gründungswillige in jeweiligen Vorhaben unterstützt werden sollte. Ansonsten wird – wie aktuell – das Potenzial, neue Startups zu gründen, nicht vollständig ausgeschöpft.

Unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz hat die Bundesregierung im Juli 2022 eine Startup-Strategie vorgelegt. Diese beinhaltet viele lange überfällige und gute Impulse, lässt jedoch zentrale gesellschaftsbezogene Fragestellungen offen. Die Förderungen, die die Bundesregierung vorsieht, richten sich insbesondere an akademische Gründungen und an Menschen, die ohnehin schon einen gehobenen sozioökonomischen Status haben. Auch werden Startups in der Frühphase hauptsächlich dann unterstützt, wenn sie technikorientierte Ansätze verfolgen. Dabei sind nicht-technische Innovationen ebenso relevant für eine Startup-Förderung. Auch die Förderung von Gründungen durch Menschen mit Migrationsgeschichte wird nicht ausreichend bearbeitet.

Es ist festzustellen, dass die Förderlandschaft bei Startups – vor allem in der Frühfinanzierung – sehr lückenhaft ist. Gründungen schaffen Arbeitsplätze und tragen wesentlich zur Weiterentwicklung und Modernisierung des Standortes Deutschland bei.

Die Expert:innen aus der AG Startup-Förderung identifizieren in Folge drei Problemfelder und stellen zentrale Forderungen an das BMWK, welche aus Sicht der Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität unbedingt einfließen müssen.

Förderung nicht-akademischer Gründungen von Startups

Ein Blick in die empirische Realität zeigt einen krassen Gegensatz von Startup-Gründungen von Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium und denen ohne. Doch anstatt dieser Ungleichverteilung durch gezielte Förderung nicht-akademischer Startups zu begegnen, sollen die aktuellen zentralen Förder-Elemente diese Ungleichheit weiterhin zementieren. Die Förderung nicht-akademischer Gründungen muss sich an zwei Gruppen orientieren: Menschen mit abgeschlossenen Berufsausbildungen und an Studienabbrechern. Denn während Jahr für Jahr ca. 490.000 Menschen in Deutschland ein Studium aufnehmen, steht dieser Gruppe eine nur unwesentlich kleinere Gruppe von Menschen gegenüber, die eine Berufsausbildung beginnen. Neben Existenzgründungen aus klassischen Ausbildungsberufen bietet auch die Arbeit im Handwerk oder in der Industrie etliche Gelegenheiten, eigene Innovationen zu entwickeln und diese über die Gründung eines Startups auf den Markt zu bringen.

Gleichzeitig bringen lange nicht alle Studienanfänger:innen ihr akademisches Studium zu Ende. Von den Studierenden brechen 25–30 % ihr Bachelor-Studium und nochmals rund 15 % ihr Master-Studium ab. Die Gründe für einen Studienabbruch sind vielfältig und reichen von anderen Erwartungen an die Inhalte des Studiums oder einem zu hohen Schwierigkeitsgrad über Probleme der Studienfinanzierung bis hin zum Studienabbruch aufgrund eines direkten Einstiegs ins Berufsleben oder die Gründung eines eigenen Unternehmens. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die Studienabbrecher:innen davon abhält, selbst zu Gründer:innen zu werden. Doch anstatt diese systematisch anzugehen, festigt die aktuelle Förderlandschaft diese Gründe leider nur. So bleibt viel Potenzial ungenutzt.

Öffentliche Fördermittel sollten unabhängig vom Ausbildungsstand verfügbar sein, um die Gründungskultur, das Innovationspotenzial und den Unternehmergeist in Deutschland auszuschöpfen und vielfältig zu fördern. Unsere zentrale Forderung ist:

Das EXIST-Förderprogramm sollte auch für Nicht-Akademiker:innen geöffnet werden. Die formale Voraussetzung eines Studienabschlusses sollte keine Förderbedingung mehr sein.

Sozialer Aufstieg durch Gründung

Anders sieht es bei klassischen Unternehmensgründungen aus. Diese werden zahlenmäßig am ehesten von Personen mit Lehr- oder Berufsfachschulabschluss vollzogen. Das bedeutet, dass ausgerechnet für die größte Gruppe der Gründer:innen, diejenigen mit einem Gesellenbrief, kaum Gründungsfinanzierungen offenstehen. Da in Deutschland letztlich vorausgesetzt wird, dass ein:e erfolgreiche:r Startup-Gründer:in eigene finanzielle Mittel bzw. Eigenbeteiligungen mitbringt, geht es dabei nicht nur um die Frage des Bildungssystems, sondern auch um den Bildungsstand und das Einkommen des Elternhauses. So bestimmt der sozioökonomische Status die Gründungsvoraussetzungen.

Die Forschung zeigt: Die höchsten Barrieren, die in Deutschland Gründungen verhindern, sind finanzieller Natur. Auf die Frage, warum von einer Gründung abgesehen wird, wird am häufigsten das befürchtete (zukünftige) finanzielle Risiko genannt; an zweiter Stelle steht die fehlende (Anschub-)Finanzierung. Hinzu kommt: Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status haben durch ihre im Schnitt geringere Bildung besondere Verständnisschwierigkeiten bei finanz- und steuerfachlicher Sprache. Die abschreckende Wirkung komplizierter Formulierungen darf nicht länger ein Hindernis für Gründer:innen sein, ein Unternehmen zu starten. Antragsformulare müssen auch in „leichter Sprache“ verfügbar sein. Ein Bürokratieabbau ist ebenso erforderlich. Unsere zentralen Forderungen sind:

Bei der Startup-Förderung, vor allem bei der Frühfinanzierung, sollte auf die Eigenbeteiligung im Einzelfall mit guter Begründung verzichtet werden können. Bürokratie sollte abgebaut werden: Die Beantragung von Finanzierungshilfen und Gründungsunterstützungen muss verschlankt werden. Alle Dokumente zur Gründung und Beantragung von Fördermitteln sollten in „leichter Sprache“ verfügbar sein.

Gründungen von Menschen mit Migrationsgeschichte fördern

Nach deutschem Aufenthaltsrecht sind Nicht-EU-Gründer:innen in der Regel verpflichtet, in ihr Heimatland zurückzukehren und dort bei einer Auslandsvertretung einen Antrag auf ein Visum zu stellen. Die Bearbeitung kann über ein Jahr in Anspruch nehmen, da hier mehrere Behörden angehört werden. Unsere zentrale Forderung ist:

Die Möglichkeit eines zügigen Spurwechsels hin zur Selbstständigkeit: Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen möchte, aber als Studierende:r, Geflüchtete:r oder aus anderen Gründen eingereist ist, sollte vor Ort in Deutschland in einem unbürokratischen und schnellen Verfahren die Möglichkeit bekommen, ein Unternehmen zu gründen.

Viele Gründer:innen aus Nicht-EU-Ländern beklagen, dass es ihnen sehr schwer gemacht wird, für ihre Geschäftsaktivitäten – selbst wenn sie eine juristische Person in Deutschland gründen – ein Bankkonto zu bekommen. Unsere zentrale Forderung ist:

Verpflichtung für Sparkassen, im Rahmen der Daseinsvorsorge entsprechende Girokonten zu eröffnen.

Verteilte Zuständigkeiten, komplexe bürokratische Prozesse, eine vielfältige, aber intransparente Förderlandschaft sowie Sprachbarrieren erschweren ebenso die Gründung wie die Sicherung einer Finanzierung. Unsere zentrale Forderung ist:

Grundsätzliche Vereinfachungen und den Abbau von Hürden für Nicht-EU-Bürger:innen, die in Deutschland gründen wollen, unabhängig davon, ob es sich um Startups oder sonstige Gründungen handelt.
Zentrale Anlaufstellen (One-Stop-Shops), die umfassend unterstützen und über qualifizierte Mitarbeiter:innen und Teams verfügen, die bei der Erlangung des notwendigen Aufenthaltsstatus, der Erarbeitung eines tragfähigen Businessplans, bei Finanzierungsgesprächen, dem Finden von passenden Förderprogrammen sowie der Unternehmensgründung an sich unterstützen.

Das Positionspapier als PDF

AG Startup-Förderung

Die AG Startup Förderung kümmert sich um die konkreten Herausforderungen im deutschen Startup-Ökosystem. Das betrifft gesellschaftliche, regulatorische und finanzielle Fragen. Wir setzen dabei auf Werte, die für Chancengleichheit für alle stehen, denn nur mit den normativ besten Ideen können wir Deutschland innovativer machen. Diese Ideen müssen praktisch und nachhaltig umsetzbar sein.

Koordination:

Claudia Landrock ,
Malte Behrmann

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